Altersvorsorgedepot 2027: Riester behalten, kündigen oder wechseln?

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Thomas Meyer
Finanz- und Versicherungsmakler
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Kurzantwort:
Ab dem 1. Januar 2027 können Anbieter neue staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte anbieten. Dazu gehört auch das Altersvorsorgedepot 2027. Neue klassische Riester-Verträge laufen aus, bestehende Riester-Verträge bleiben aber geschützt und können weitergeführt werden. Wer heute einen Riester-Vertrag hat, sollte deshalb nicht vorschnell kündigen, sondern prüfen, ob Weiterführen, Beitragsfreistellung, Wechsel in die neue Förderung oder späterer Wechsel in ein neues Produkt sinnvoller ist. Die Reform wurde vom Bundestag am 27. März 2026 beschlossen, der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 zu.

Viele Menschen stellen sich gerade dieselbe Frage: Was passiert mit meinem Riester-Vertrag, wenn 2027 das Altersvorsorgedepot kommt?

Die Unsicherheit ist verständlich. Über Jahre galt Riester als kompliziert, teuer und schwer nachvollziehbar. Jetzt wird die geförderte private Altersvorsorge neu aufgestellt. Das klingt nach einer großen Chance, kann aber auch zu vorschnellen Entscheidungen führen.

Genau hier entstehen die typischen Fehler. Manche kündigen aus Frust. Andere warten ab, ohne ihren bestehenden Vertrag zu verstehen. Wieder andere möchten sofort etwas Neues abschließen, obwohl konkrete Produkte erst ab 2027 angeboten werden können.

Die wichtigste Empfehlung lautet deshalb: Erst prüfen, dann entscheiden.

In diesem Ratgeber erfährst du, was sich mit dem Altersvorsorgedepot 2027 ändert, welche Förderung geplant ist, was mit bestehenden Riester-Verträgen passiert und wann ein Wechsel überhaupt sinnvoll sein kann.

Inhaltsverzeichnis

- Altersvorsorgedepot 2027: Das Wichtigste vorab
- Was ändert sich 2027 bei der privaten Altersvorsorge?
- Ist die Riester-Rente ab 2027 abgeschafft?
- Riester Rente kündigen: Warum du jetzt vorsichtig sein solltest
- Was ist das Altersvorsorgedepot und wie funktioniert es?
- Altersvorsorgedepot Förderung: Welche Zulagen gibt es?
- Altersvorsorgedepot Steuer: Wie wird das neue Modell besteuert?
- Altersvorsorgedepot Vor- und Nachteile im Überblick
- Riester vs. Altersvorsorgedepot im Vergleich
- Welche Altersvorsorge passt zu wem?
- Praxisbeispiele: Familie, Selbstständige und Sparer kurz vor der Rente
- Typische Fehler, die du jetzt vermeiden solltest
- Fazit: Erst prüfen, dann entscheiden
- FAQ zum Altersvorsorgedepot 2027
- Über den Autor
- Quellen und Stand der Informationen

Altersvorsorgedepot 2027: Das Wichtigste vorab

Das Altersvorsorgedepot 2027 ist ein neuer Baustein der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Es soll die bisherige Riester-Welt für Neuabschlüsse ablösen und mehr Flexibilität, niedrigere Kosten und bessere Renditechancen ermöglichen.

Der Kern der Reform: Neben Garantieprodukten sollen künftig auch Altersvorsorgedepots ohne Garantie möglich sein. Dadurch kann stärker in chancenorientierte Anlageformen wie Fonds und ETFs investiert werden. Für sicherheitsorientierte Sparer bleiben Garantieprodukte mit 80 oder 100 Prozent Beitragserhalt möglich. Beim Standarddepot sollen die Effektivkosten auf 1,0 Prozent begrenzt werden.

Für bestehende Riester-Verträge gilt Bestandsschutz. Das bedeutet: Ein alter Vertrag endet nicht automatisch. Er kann weitergeführt werden. Gleichzeitig kann ab 2027 geprüft werden, ob ein Wechsel in die neue Fördersystematik oder in einen neuen Altersvorsorgevertrag sinnvoll ist.

Wichtig ist: Das Altersvorsorgedepot ist nicht automatisch besser für jeden. Es bietet mehr Chancen, aber je nach Variante auch mehr Schwankung. Deshalb hängt die richtige Entscheidung von deinem Vertrag, deiner Lebensphase, deiner Risikobereitschaft und deiner bisherigen Förderung ab.

Was ändert sich 2027 bei der privaten Altersvorsorge?

Ab 2027 wird die geförderte private Altersvorsorge grundlegend umgebaut. Die Bundesregierung beschreibt die Reform als Schritt zu flexibleren, renditestärkeren und kostengünstigeren Produkten. Ein zentraler Bestandteil ist das Altersvorsorgedepot ohne Garantie. Gleichzeitig bleiben Garantieprodukte möglich, wenn Sicherheit wichtiger ist als maximale Renditechance.

Die wichtigsten Änderungen sind:

Mehr Kapitalmarkt:
Das Altersvorsorgedepot kann stärker auf Fonds und ETFs setzen. Dadurch entstehen höhere Renditechancen, aber auch mehr Schwankungen.

Mehr Auswahl bei Garantien:
Sparer können je nach Produkt zwischen Varianten ohne Garantie, mit 80 Prozent Garantie oder mit 100 Prozent Garantie wählen.

Einfachere Förderung:
Die Zulagen werden beitragsproportional berechnet. Kleine und mittlere Eigenbeiträge werden stärker gefördert.

Niedrigere Kosten beim Standarddepot:
Beim Standarddepot sind die Effektivkosten auf maximal 1,0 Prozent begrenzt. Effektivkosten zeigen, wie stark Kosten die jährliche Rendite im Durchschnitt mindern.

Mehr Menschen werden förderberechtigt:
Künftig können auch bestimmte Selbstständige und Mitglieder berufsständischer Versorgungseinrichtungen unmittelbar förderberechtigt sein, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Für dich heißt das: Die private Altersvorsorge wird nicht einfacher, weil es nur noch eine Lösung gibt. Sie wird flexibler. Und genau deshalb wird Beratung wichtiger.

Ist die Riester-Rente ab 2027 abgeschafft?

Für neue Verträge ja. Für bestehende Verträge nein.

Ab dem 1. Januar 2027 können keine klassischen Riester-Verträge mehr neu abgeschlossen werden. Bereits bestehende Riester-Verträge bleiben aber durch Bestandsschutz geschützt. Sie können weitergeführt und mit der bisherigen steuerlichen Förderung fortgesetzt werden.

Das Wort „abgeschafft“ ist deshalb nur teilweise richtig. Das alte Riester-System endet für Neuabschlüsse. Dein bestehender Vertrag wird aber nicht automatisch wertlos, beendet oder in ein Altersvorsorgedepot umgewandelt.

Ein bestehender Riester-Vertrag kann weiterhin sinnvoll sein, zum Beispiel wenn hohe Kinderzulagen fließen, der Vertrag gute Garantien enthält, die Kosten akzeptabel sind oder nur noch wenige Jahre bis zur Auszahlungsphase bleiben.

Genauso kann ein alter Vertrag aber problematisch sein, wenn er hohe Kosten verursacht, kaum Renditechancen bietet oder nicht mehr zur Lebenssituation passt.

Die richtige Frage lautet deshalb nicht: Ist Riester tot?

Die bessere Frage lautet: Ist mein konkreter Riester-Vertrag noch sinnvoll?

Riester Rente kündigen: Warum du jetzt vorsichtig sein solltest

Die Suchanfrage Riester Rente kündigen ist gerade besonders relevant, weil viele Sparer auf die Reform reagieren wollen. Trotzdem ist eine Kündigung meistens nicht der erste sinnvolle Schritt.

Wenn du einen Riester-Vertrag kündigst und dir das Kapital auszahlen lässt, kann das als förderschädliche Verwendung gelten. Dann müssen erhaltene Zulagen und steuerliche Vorteile in der Regel zurückgezahlt werden. Genau deshalb ist eine Kündigung oft teurer, als sie auf den ersten Blick wirkt.

Das Bundesfinanzministerium sagt ausdrücklich, dass alte Riester-Verträge weitergeführt werden können. Außerdem ist ein Wechsel in einen Neuvertrag zu neuen Konditionen möglich, ohne die bisherige Förderung zurückzahlen zu müssen. Dabei können allerdings Wechsel-, Abschluss- und Vertriebskosten anfallen.

Aus Beratungssicht gilt deshalb:

Nicht aus Frust kündigen. Erst Vertrag prüfen.

Vor einer Entscheidung sollten mindestens diese Punkte geprüft werden: aktueller Vertragswert, bisherige Zulagen, Kosten, Garantien, Restlaufzeit, Kinderzulagen, steuerlicher Vorteil und mögliche Alternativen ab 2027.

Was ist das Altersvorsorgedepot und wie funktioniert es?

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich geförderter Altersvorsorgevertrag, bei dem auf Garantien verzichtet werden kann, damit chancenorientierte Anlageformen möglich werden. Laut BMF kann über ein Altersvorsorgedepot auch in Fonds wie ETFs eingezahlt werden. Die Kapitalerträge werden in der Ansparphase nicht besteuert.

Der große Unterschied zu vielen Riester-Produkten liegt in der Anlagefreiheit und in der Garantiefrage. Beim klassischen Riester hat die Beitragsgarantie Renditechancen oft begrenzt. Beim Altersvorsorgedepot kann mehr Kapitalmarkt genutzt werden. Das kann langfristig attraktiv sein, setzt aber voraus, dass Schwankungen ausgehalten werden können.

Neben dem freien Altersvorsorgedepot gibt es auch das Standarddepot. Es soll einfacher zu handhaben sein und kann vor allem für Menschen interessant sein, die wenig Erfahrung mit Kapitalmärkten haben. Beim Standarddepot werden zwei Investmentvermögen hinterlegt, und vor Beginn der Auszahlungsphase wird schrittweise in eine vorsichtigere Anlage umgeschichtet.

Das Altersvorsorgedepot ist also kein normales Depot ohne Regeln. Es ist ein zertifizierter Altersvorsorgevertrag mit staatlicher Förderung, steuerlichen Vorgaben und klaren Anforderungen an Produkte und Anbieter.

Altersvorsorgedepot Förderung: Welche Zulagen gibt es?

Die neue Förderung wird einfacher berechnet als bisher. Für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr gibt es 50 Cent Grundzulage pro eingezahltem Euro. Für weitere Beiträge von 361 bis 1.800 Euro pro Jahr gibt es 25 Cent pro Euro. Damit kann die Grundzulage künftig bis zu 540 Euro jährlich betragen.

Zusätzlich gibt es Kinderzulagen. Für jedes Kind kann ein Elternteil bis zu 300 Euro Kinderzulage erhalten. Der Höchstbetrag wird erreicht, wenn für das Kind 300 Euro jährlich eingezahlt werden. Junge Sparer können außerdem einen einmaligen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro erhalten, wenn sie zu Beginn des Beitragsjahres das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Auch niedrige Beiträge können förderfähig sein. Laut BMF reicht ein monatlicher Eigenbeitrag von 10 Euro, um gefördert zu werden, sofern die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind.

Förderung im Überblick

Förderbaustein Höhe
Grundzulage auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag 50 Cent je Euro
Grundzulage auf weitere Beiträge bis 1.800 Euro 25 Cent je Euro
Maximale Grundzulage pro Jahr bis zu 540 Euro
Kinderzulage bis zu 300 Euro je Kind
Berufseinsteigerbonus einmalig 200 Euro
Mindestbeitrag für Förderung 10 Euro pro Monat

Wichtig: Förderung allein macht ein Produkt nicht automatisch gut. Entscheidend ist, ob Kosten, Anlagestrategie, Risiko und Laufzeit zur eigenen Situation passen.

Altersvorsorgedepot Steuer: Wie wird das neue Modell besteuert?

Die steuerliche Logik bleibt ähnlich wie bei Riester: In der Ansparphase werden Beiträge steuerlich gefördert, und Kapitalerträge im Altersvorsorgevertrag werden während der Ansparphase nicht besteuert. Die Besteuerung erfolgt nachgelagert in der Auszahlungsphase.

Das bedeutet: Während des Sparens fallen innerhalb des Altersvorsorgevertrags keine steuerpflichtigen Kapitalerträge an. Erst später, wenn Leistungen ausgezahlt werden, werden diese mit dem individuellen Steuersatz versteuert.

Das kann attraktiv sein, weil der persönliche Steuersatz im Ruhestand häufig niedriger ist als während des Erwerbslebens. Trotzdem sollte die Steuerfrage nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist das Gesamtbild aus Förderung, Kosten, Renditechance, Auszahlungsform und persönlicher Rentenlücke.

Altersvorsorgedepot Vor- und Nachteile im Überblick

Das Altersvorsorgedepot bringt echte Verbesserungen, aber auch neue Verantwortung. Es ist kein risikoloser Ersatz für Riester und auch kein normales ETF-Depot.

Bereich Punkt Einordnung
Vorteil Höhere Renditechancen Mehr Kapitalmarkt, mehr Aktien- und Fondsanteil möglich
Vorteil Einfachere Förderung Zulagen werden beitragsproportional berechnet
Vorteil Förderung für viele Selbstständige Unter gesetzlichen Voraussetzungen künftig breiter möglich
Vorteil Kostenbegrenzung beim Standarddepot Effektivkosten maximal 1,0 Prozent
Nachteil Mehr Schwankung möglich Besonders bei Produkten ohne Garantie relevant
Nachteil Produktauswahl muss geprüft werden Nicht jedes neue Angebot ist automatisch passend
Nachteil Förderung ist an Regeln gebunden Kein normales, frei verfügbares Depot
Nachteil Auszahlung wird später besteuert Nachgelagerte Besteuerung in der Rentenphase

Der wichtigste Punkt: Das Altersvorsorgedepot ist eine Chance, aber kein Selbstläufer. Wer 2027 einfach irgendein neues Produkt abschließt, ohne seinen bestehenden Vertrag und seine Ziele zu prüfen, macht möglicherweise denselben Fehler wie früher bei schlecht verstandenen Riester-Verträgen.

Riester vs. Altersvorsorgedepot im Vergleich

Kriterium Riester-Vertrag im Bestand Altersvorsorgedepot ab 2027
Neuabschluss ab 2027 nicht mehr klassisch möglich ab 2027 möglich
Bestehende Verträge Bestandsschutz, Weiterführung möglich neue Produktwelt
Garantie häufig stark garantieorientiert ohne Garantie möglich, Garantieprodukte alternativ
Anlage oft sicherheitsorientiert Fonds und ETFs möglich
Grundzulage bisher 175 Euro bei erfülltem Mindesteigenbeitrag bis zu 540 Euro jährlich
Kinderzulage bis zu 300 Euro je Kind bis zu 300 Euro je Kind
Selbstständige meist nicht unmittelbar förderberechtigt, Ausnahmen möglich künftig breiter förderberechtigt, wenn Voraussetzungen erfüllt sind
Kosten stark produktabhängig Standarddepot mit 1,0 Prozent Effektivkosten-Deckel
Steuer nachgelagerte Besteuerung nachgelagerte Besteuerung
Wechsel Vertrag kann weiterlaufen oder geprüft werden Wechsel aus Riester möglich, Kosten prüfen

Diese Tabelle ersetzt keine Vertragsprüfung. Sie zeigt nur, warum die Entscheidung nicht pauschal getroffen werden sollte.

Welche Altersvorsorge passt zu wem?

Es gibt nicht die eine richtige Lösung für alle. Entscheidend sind Lebensphase, Familienstand, Einkommen, Sicherheitsbedürfnis, Laufzeit und vorhandene Verträge.

Situation Tendenz
Jung, lange Laufzeit, Schwankungen aushaltbar Altersvorsorgedepot oder Standarddepot prüfen
Familie mit Kindern und hohem Riester-Zulagenvorteil bestehenden Riester-Vertrag genau prüfen, nicht vorschnell kündigen
Selbstständig und bisher kaum gefördert vorgesorgt neues Altersvorsorgedepot ab 2027 besonders interessant
Wenige Jahre bis zur Rente vorsichtig prüfen, Garantien und Restlaufzeit beachten
Teurer alter Riester-Vertrag ohne klare Vorteile Beitragsfreistellung, Wechsel oder neue Förderung prüfen
Kein Überblick über bestehende Verträge zuerst Vertragscheck, dann Entscheidung

In der Praxis ist häufig eine Kombination sinnvoll. Ein sicherheitsorientierter Baustein kann Stabilität geben. Ein renditeorientierter Baustein kann langfristiges Wachstum ermöglichen. Wichtig ist, dass die Bausteine zusammenpassen.

Praxisbeispiele: Familie, Selbstständige und Sparer kurz vor der Rente

Die folgenden Beispiele sind vereinfacht und ersetzen keine individuelle Beratung. Sie zeigen aber, warum dieselbe Reform je nach Situation zu unterschiedlichen Entscheidungen führen kann.

Beispiel 1: Familie mit Kindern und altem Riester-Vertrag

Eine Familie mit zwei Kindern hat einen alten Riester-Vertrag, in den regelmäßig eingezahlt wird. Durch Kinderzulagen kann die Förderquote attraktiv sein. In diesem Fall wäre eine vorschnelle Kündigung oft keine gute Idee.

Sinnvoller wäre eine Prüfung: Wie hoch sind die Kosten? Welche Garantien bestehen? Wie viel Zulage wurde bisher erhalten? Wie lange läuft der Vertrag noch? Erst danach lässt sich beurteilen, ob Riester bleiben, ruhen oder später gewechselt werden sollte.

Beispiel 2: Selbstständiger ohne bisherige Riester-Förderung

Ein Selbstständiger war bisher häufig nicht unmittelbar riesterförderberechtigt. Durch die Reform können künftig auch bestimmte Selbstständige unmittelbar förderberechtigt sein, wenn sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.

Für diese Gruppe kann das Altersvorsorgedepot ab 2027 besonders spannend sein. Trotzdem gilt auch hier: Erst Produkt, Kosten, Förderung, Risiko und Liquidität prüfen.

Beispiel 3: Sparer kurz vor der Rente

Wer nur noch wenige Jahre bis zur Rente hat, sollte besonders vorsichtig sein. Ein Wechsel in ein chancenorientiertes Depot kann höhere Renditechancen bieten, aber die Zeit zum Ausgleich von Marktschwankungen ist begrenzt.

Hier können Garantieprodukte, bestehende Vertragsvorteile oder eine vorsichtigere Strategie wichtiger sein als maximale Rendite.

Typische Fehler, die du jetzt vermeiden solltest

- Der größte Fehler ist eine vorschnelle Kündigung. Wer einen Riester-Vertrag kündigt, ohne die Folgen zu kennen, kann Zulagen und Steuervorteile verlieren.

- Der zweite Fehler ist, nur auf das Wort „neu“ zu schauen. Das Altersvorsorgedepot ist moderner als Riester, aber nicht automatisch in jeder Lebenssituation besser.

- Der dritte Fehler ist, die Förderung isoliert zu bewerten. Eine hohe Zulage hilft wenig, wenn Kosten, Risiko oder Produktauswahl nicht passen.

- Der vierte Fehler ist, Selbstständige pauschal als automatisch förderberechtigt zu betrachten. Es gelten Voraussetzungen, die geprüft werden müssen.

- Der fünfte Fehler ist, keinen Überblick über bestehende Verträge zu haben. Altersvorsorge funktioniert nur dann gut, wenn die einzelnen Bausteine zusammenpassen.

Dein nächster Schritt: Riester-Vertrag prüfen lassen

Viele Riester-Verträge wurden vor Jahren abgeschlossen und seitdem nie wieder richtig geprüft. Genau jetzt ist ein guter Zeitpunkt, Klarheit zu schaffen.

Bei einer Prüfung geht es nicht darum, Riester pauschal schlechtzureden oder das Altersvorsorgedepot pauschal zu feiern. Es geht darum, deinen konkreten Vertrag zu verstehen: Kosten, Förderung, Garantien, Restlaufzeit, Steuerwirkung und Alternativen ab 2027.

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Fazit: Erst prüfen, dann entscheiden

Das Altersvorsorgedepot 2027 verändert die private Altersvorsorge deutlich. Für Neuabschlüsse läuft Riester aus. Bestehende Riester-Verträge bleiben aber geschützt und können weitergeführt werden. Gleichzeitig entstehen ab 2027 neue Möglichkeiten mit mehr Kapitalmarktorientierung, einfacherer Förderung und mehr Flexibilität.

Für viele Sparer ist das eine Chance. Besonders Menschen mit langer Laufzeit, teuren Altverträgen oder bisher fehlender Fördermöglichkeit können vom neuen System profitieren. Für andere kann der bestehende Riester-Vertrag weiterhin sinnvoll sein, vor allem bei hohen Kinderzulagen, guter Garantie oder kurzer Restlaufzeit.

Die beste Entscheidung entsteht nicht durch Schlagzeilen. Sie entsteht durch eine saubere Prüfung.

Nicht jeder Riester-Vertrag ist schlecht. Nicht jedes Altersvorsorgedepot ist automatisch besser. Und eine Kündigung ist selten der erste Schritt.

FAQ zum Altersvorsorgedepot 2027

Was ist das Altersvorsorgedepot 2027?

Das Altersvorsorgedepot 2027 ist ein neuer staatlich geförderter Altersvorsorgevertrag. Es kann stärker in chancenorientierte Anlagen wie Fonds und ETFs investieren und muss nicht zwingend eine Garantie enthalten. Alternativ bleiben Garantieprodukte mit 80 oder 100 Prozent Beitragserhalt möglich.

Soll ich meine Riester Rente kündigen?

In den meisten Fällen nicht sofort. Bestehende Riester-Verträge haben Bestandsschutz und können weitergeführt werden. Eine Kündigung kann zur Rückzahlung von Zulagen und Steuervorteilen führen. Besser ist es, Kosten, Förderung, Garantien und Alternativen ab 2027 zuerst prüfen zu lassen.

Welche Förderung gibt es beim Altersvorsorgedepot?

Für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag gibt es 50 Cent Grundzulage je Euro. Für weitere Beiträge bis 1.800 Euro gibt es 25 Cent je Euro. Die Grundzulage kann bis zu 540 Euro pro Jahr betragen. Zusätzlich sind bis zu 300 Euro Kinderzulage je Kind und ein einmaliger Berufseinsteigerbonus von 200 Euro möglich.

Welche Vor- und Nachteile hat das Altersvorsorgedepot?

Vorteile sind höhere Renditechancen, mehr Kapitalmarktorientierung, einfachere Förderung, ein Kostendeckel beim Standarddepot und eine breitere Förderberechtigung. Nachteile sind mögliche Wertschwankungen, Produktauswahl, spätere Besteuerung und die Notwendigkeit, die eigene Risikobereitschaft realistisch einzuschätzen.

Können Selbstständige das Altersvorsorgedepot nutzen?

Künftig können auch bestimmte Selbstständige unmittelbar förderberechtigt sein. Das gilt laut BMF für selbstständig Erwerbstätige mit Einkünften nach § 15 oder § 18 Absatz 1 Nummer 1 bis 3 EStG und abgegebener Steuererklärung sowie für Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungseinrichtungen. Die Voraussetzungen sollten im Einzelfall geprüft werden.

Über den Autor

Thomas Meyer ist Versicherungsmakler, geprüfter Versicherungsfachmann IHK und Finanzanlagenvermittler mit über 20 Jahren Erfahrung im Finanzdienstleistungssektor. Aus Wolfsburg berät er deutschlandweit Familien, Berufstätige und Selbstständige zu Altersvorsorge, Vermögensaufbau und Absicherung.

In seiner Beratungspraxis prüft er bestehende Riester-Verträge, Kostenstrukturen, Förderungen und Alternativen. Sein Fokus liegt darauf, Altersvorsorge verständlich einzuordnen und Entscheidungen nicht aus Trend, Angst oder Verkaufsdruck zu treffen.

Quellen und Stand der Informationen

Dieser Artikel basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen des Bundesfinanzministeriums, der Bundesregierung und des Deutschen Bundestages sowie auf der Keyword-Research und dem vorhandenen Artikelentwurf zu Thomas Meyer.

Wichtige Quellen:

- Bundesfinanzministerium: Fragen und Antworten zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge
- Bundesregierung: Private Altersvorsorge wird attraktiver
- Deutscher Bundestag: Bundestag beschließt das Altersvorsorgedepot

Stand der Inhalte: 01.06.2026
Zuletzt geprüft: 01.06.2026

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine individuelle Anlage-, Steuer-, Rechts- oder Versicherungsberatung. Ob ein bestehender Riester-Vertrag weitergeführt, beitragsfrei gestellt oder später gewechselt werden sollte, hängt von der persönlichen Situation und den konkreten Vertragsbedingungen ab.